Geschichte

Wissenswertes aus der traditionsreichen Geschichte des Boxsports im Erzgebirge

Die „Geburtsstunde“ des Boxens im Erzgebirge fällt in das Jahr 1963, als die Bergbauingenieure Beyer und Glowna die Box-Sektion der FSG Wismut Breitenbrunn mit 30 Mitgliedern gründeten, die nicht nur aus dem Gründungsort selbst, sondern auch aus Crandorf, Erla, Johanngeorgenstadt und Antonsthal kamen. In den folgenden über 50 Jahren, in denen der Verein einige Male umbenannt (1968 Motor Schwarzenberg, 1981 BSG Waschgerätewerk Schwarzenberg, 1990 SV Schwarzenberg) und schließlich 2011 neu gegründet wurde (Boxclub Erzgebirge als Sektion der SG Breitenbrunn), konnten unsere Aktiven zahlreiche sportliche Höchstleistungen – vor und nach der „Wende“ – erzielen:

Schwarzenberger Boxer

DDR

BRD

Medaillenübersicht 1963 – 1990

Medaillenübersicht 1991 – 1999

 

DDR – Meisterschaften

Deutsche Meisterschaften

 

Gold

Silber

Bronze

Gold

Silber

Bronze

18

6

6

7

4

5

 

DDR – Spartakiaden

 

 

Gold

Silber

Bronze

2

1

2

 

 

Welt- u. Europameisterschaften

Welt- und Europameisterschaften

 

 

Gold

Silber

Bronze

Gold

Silber

Bronze

3

2

1

1

1

Professionelles Boxen in der BRD

Markus Beyer

Jahr

Titel

Verband

1998 Deutscher Meister im Supermittelgewicht IBF
1999 Interkontinentaler Meister WBC
1999 Weltmeister im Supermittelgewicht WBC
2002 Internationaler Meister WBC
2003 Weltmeister im Supermittelgewicht WBC
2004-2006  Weltmeister im Supermittelgewicht WBC
2005 „Boxer des Jahres“
 
Kai Kurzawa
Jahr Titel Verband
2004 Interkontinentaler Meister IBF
2012 Interkontinentaler Meister WBO
2013 Internationaler Deutscher Meister GBA

In der Zeit zwischen 1975 und 1990 wurden mit Detlef Ludwig, Lothar Murawski, Ulli Kaden, Kai Kurzawa und nicht zuletzt Markus Beyer gleich fünf unserer Aktiven z. T. mehrfache DDR-Meister. Nach der „Wende“ gelang es den beiden Letztgenannten zudem, mehrfach Deutscher Meister im geeinten Deutschland zu werden.

Ulli KadenStellvertretend für unsere erfolgreichen Sportler seien Ulli Kaden und Markus Beyer besonders erwähnt. Ersterem gelang mit dem zweiten Platz bei den Junioreneuropameisterschaften 1978 in Dublin sein erster internationaler Erfolg. Wie oben bereits kurz erwähnt, wurde Kaden von 1980 bis 1988 neun Mal in Folge DDR-Meister im Superschwergewicht. Bei seiner ersten Teilnahme an den Europameisterschaften 1981 in Tampere belegte er schon den dritten Platz, 1987 in Turin wurde er schließlich erstmals Europameister; diesen Titel verteidigte er bei der nächsten Europameisterschaft in Athen erfolgreich.
Ferner gelangen ihm 1982, 1986 und 1989 Siege beim renom-mierten Boxturnier um den Chemiepokal in Halle (Saale). 1987 verließ er zudem ein hochkarätig besetztes Weltcupturnier in Belgrad als Sieger, nachdem er zuvor u. a. Lennox Lewis besiegt hatte, der allen Boxsportfreunden durch seinen Kampf gegen Vitali Klitschko (2003) in bester Erinnerung sein dürfte.

Unvergessen bleiben schließlich Kadens Teilnahme an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul sowie seine zahlreichen Kämpfe gegen den dreimaligen Olympiasieger Teófilo Stevenson aus Kuba, den er immerhin drei Mal bezwingen konnte, obwohl er als unbesiegbar galt.

Ulli Kaden, Teafilo Stevenson

(Kaden vs. Stevenson 1986)

Der andere herausragende Aktive in unseren Reihen ist zweifellos Markus Beyer, der nach einer erfolgreichen Amateurkarriere (235 Siege in 274 Kämpfen) 1996 in das Lager der Profis wechselte, von dem bekannten Promoter Wilfried Sauerland unter Vertrag und von Meistertrainer Ulli Wegner betreut wurde.

In seinem 17. Profikampf bekam Beyer erstmals die Gelegenheit, um einen Weltmeistertitel zu kämpfen. Am 23. Oktober 1999 gewann er in der „Hölle von Telford“ mit einem Punktsieg gegen den Briten Richie Woodhall den WBC-Titel im Supermittelgewicht. Er war erst der dritte Deutsche nach Max Schmeling und Ralf Rocchigiani, dem es gelang, im Ausland Weltmeister zu werden.

Bereits in der zweiten Titelverteidigung am 6. Mai 2000 verlor er allerdings den Gürtel aufgrund eines technischen Knockouts in der letzten Runde unglücklich an Glenn Catley. In den folgenden drei Jahren arbeitete sich der gebürtige Erlabrunner jedoch mit acht Siegen wieder in der Weltrangliste nach oben und bekam einen erneuten Titelkampf gegen den amtierenden WBC-Champion, den Frankokanadier Éric Lucas. Durch einen knappen Punktsieg wurde er am 5. April 2003 in Leipzig erneut Weltmeister. Seine erste Titelverteidigung absolvierte er im selben Jahr auf dem Nürburgring mit einem umstrittenen Sieg gegen den Australier Danny Green, der unseren Boxer zu Beginn des Kampfes zu Boden geschickt hatte, dann aber wegen eines absichtlichen Kopfstoßes disqualifiziert wurde.

Am 6. Juni 2004 verlor Beyer zwar in Chemnitz den WBC-Titel erneut nach einer überraschenden Punktniederlage an den Italiener Christian Sanavia, konnte den Gürtel aber bereits vier Monate später im direkten Rückkampf in Erfurt durch K.o. zurückgewinnen und so zum dritten Mal Weltmeister im Supermittelgewicht nach Version des WBC-Weltverbands werden. Im März 2005 gewann er auch in Zwickau den Rückkampf gegen Danny Green knapp nach Punkten und wurde nicht zuletzt deshalb von den Lesern der Fachzeitschrift „Boxsport“ zum „Boxer des Jahres“ gewählt. Unglücklich verlief indes seine Titelverteidigung gegen Sakio Bika aus Kamerun im Mai 2006: Bereits nach der fünften Runde wurde sie wegen einer Platzwunde unter Beyers rechtem Auge infolge eines Kopfstoßes Bikas vorzeitig abgebrochen und als Unentschieden gewertet. Am 14. Oktober 2006 kam es schließlich in Kopenhagen zum lang ersehnten Vereinigungskampf gegen den Dänen Mikkel Kessler, den Titelträger des Weltverbandes WBA. Unter unwürdigen Begleitumständen verlor Beyer die Begegnung allerdings schon in der dritten Runde durch K. o.

Nach dieser bitteren Niederlage und einigen Unstimmigkeiten mit seinem Promoter verließ unser Boxer 2007 die Sauerland –   Event GmbH und unterschrieb in Hamburg bei der Arena Boxpromotion einen neuen Vertrag. Für diesen Stall konnte er allerdings nur einen erfolgreichen Aufbaukampf im März 2008 gegen den Russen Murad Machmudow bestreiten, weil er infolge langwieriger Verletzungen seine erfolgreiche Karriere schließlich beenden musste.

Allerdings zog sich Markus Beyer danach nicht aus dem Boxsport zurück, sondern gründete, wie oben bereits erwähnt, 2011 – unterstützt von seinem Vater Siegfried, dem ehemaligen Top-Amateurboxer Peter Wagner und Wolfgang Wiegand – den Boxclub Erzgebirge, der zur SG Breitenbrunn gehört. Diese Neugründung erwies sich als richtiger Schritt, denn seitdem fanden schon viele Kinder und Jugendliche den Weg in unser Trainingszentrum, sodass wir 2013 – zusammen mit allen Freunden und Sponsoren – ein großartiges Jubiläum feiern konnten: 50 Jahre Boxen im Erzgebirge.